Unsere Gesellschaft leistet derzeit Großartiges. In ganz Deutschland und auch hier im Landkreis Böblingen halten sich die Bürgerinnen und Bürger mit viel Verantwortungsgefühl und großer Disziplin an die Beschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Corona-Pandemie. Dadurch konnten wir bisher dramatische Szenen, wie es sie in den Krankenhäusern Frankreichs, New Yorks, Norditaliens und Spaniens gab, verhindern. Es ist uns gelungen, die Zahl der Todesfälle durch die Pandemie im Vergleich zu anderen Ländern niedrig zu halten.

Dieser bisherige Erfolg hat jedoch auch seine Schattenseiten. Für viele Menschen bedeuten die Beschränkungen große Einschnitte. Die Sorgen um die wirtschaftliche Lage oder die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Homeoffice belasten den Alltag. Im Landkreis Böblingen ist die Arbeitslosenquote bisher im Vergleich zum Vorjahreswert um 0,6 Prozentpunkte auf insgesamt 3,5 Prozent angestiegen. Hinzu kommt, dass knapp 45 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Böblingen temporär von Kurzarbeit betroffen sind oder sein werden. Um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern, hat die Politik daher umfassende Hilfspakete geschnürt, wie beispielsweise die Ausweitung des Kurzarbeitergeldes.

Inzwischen wurde die Aufhebung einzelner Corona-bedingter Einschränkungen beschlossen. Dennoch dürfen wir den mühsam erarbeiteten Vorsprung bei der Eindämmung des Virus nicht in Gefahr bringen, um unsere Krankenhäuser nicht zu überlasten. Ich appelliere daher an Sie: Bitte halten Sie sich weiterhin an die geltenden Beschränkungen und beachten Sie die „AHA-Formel“ – Abstand, Hygiene und Alltagsmasken – des Bundesgesundheitsministeriums.

Die Corona-Krise hat uns aber auch positive Seiten gezeigt. In ganz Deutschland und auch im Landkreis Böblingen halten die Menschen zusammen und machen sich Gedanken, wie sie ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern helfen können. Sie haben an Plattformen für Online-Angebote getüftelt, für ihre Nachbarn oder Großeltern eingekauft, lokale Restaurants durch den Kauf von Gutscheinen unterstützt, Masken genäht oder auf Balkonen musiziert und applaudiert. Beim Hackathon #WirVsVirus haben über 28.000 Menschen an 1.500 Lösungen gearbeitet, die dabei helfen sollen, die Pandemie zu bewältigen. Auf all das, können wir stolz sein.

Ich bin überzeugt davon, dass wir aufgrund dieses Zusammenhaltes der Gesellschaft positiv in die Zukunft blicken können. Das Corona-Virus und auch die daraus entstandenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden uns noch eine ganze Weile begleiten. Umso mehr brauchen wir ein neues „Wirtschaftswunder“, damit wir gestärkt aus der Krise herauskommen. Ich bin mir sicher, dass die Innovationskraft und der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft die beste Ausgangslage dafür sind.

Ihr Marc Biadacz MdB